"300? Dann auf nach Asien! "

ASIA-TOUR 2023
2.01..2023

Bericht von Stefan Bichler


 

Mit Mirko Leffler (links im Bild) verbindet mich seit dem 09.02.2013, dem Tag als ich ihm das erste spezielle gelbe Shirt mit seinen Initialen überreichen durfte, nicht nur die 100MC-Mitgliedschaft, sondern seit knapp 13 Jahren ebenfalls eine durchaus "bewegte Freundschaft". Vor einiger Zeit versprachen wir uns, auch den jeweils 300. Marathon gemeinsam zu bestreiten. Neben Premieren, Jubiläen und "Hahn-Weber-Zeiten" sammelt Mirko - wie unter anderem auch Doris und Mario Sagasser - Wettkämpfe der besonderen Art: Sie alle wollen in so vielen Ländern wie möglich mindestens 42,195 km absolvieren. Dafür gibt es übrigens unterschiedliche Organisationen mit diversen Regelwerken, welche für "Länderpunktesammler" gelten. Und so ergab es sich, dass einige Mitglieder des Country Marathon Club (grosses Bild ganz oben) Anfang des Jahres nach Südostasien reisen wollten, um dort bislang "unbelaufene" Gebiete zu beglücken.

Vier Marathons in vier verschiedenen Territorien standen dabei dem Wunschzettel - und um dieses Projekt möglichst effektiv zu gestalten, sollten zwischen Marathon Nr. 1 und Nr. 4 maximal sieben Tage liegen. Das mag ein bisschen absurd klingen - spannend ist die Organisation und Durchführung einer solchen Tour allemal.

Da der Trip genau in den Zeitraum fallen würde, in welchem Mirko und ich unser Jubiläum anvisiert hatten, sagte ich dem Reisetrupp im Herbst 2022 gerne zu. Nun musste nur noch ein Problemchen gelöst werden: Zwischen uns klaffte zu diesem Zeitpunkt lt. Statistik eine Lücke von exakt 10 Marathons! Angestachelt eilte mein Kamerad daraufhin im November und Dezember durch die bunte Republik und erlief u.a. "Zähler" bei Jürgen Haschen in Kassel, Heiner Schütte in Nordstemmen, Jobst von Palombini in Bückeburg und Ulli Tomaschewski in Crailsheim. Selbst in Dresden und Suhl wurden Mirko`s liebe KameradInnen noch für wichtige "Einsätze" gewonnen. Kurz vor Weihnachten hatten es die vereinten Kräfte geschafft: Wir beide lagen mit je 298 Marathons gleich- und wohlauf. Hoffnungsvoll hoben wir am 02.01.2023 in Frankfurt am Main ab und landeten tags darauf erstmals in Hongkong - das Unternehmen konnte beginnen.

Der Großteil der Laufveranstaltungen sollte dabei aufgrund des raren Zeitbudgets "eigenorganisiert" stattfinden. In Hongkong entführte uns der Kurs des 1. Harbour Side Marathons am 04.01.2023 an die Hafenpromenade.

Stets die Wolkenkratzer des Bankenviertels im Blick flanierten wir im Lauftempo bei 20 ° Celsius am Space-Museum, dem Hongkonger MoMa sowie aus- und einfahrenden Schiffen vorbei. Die Pendelstrecke war zwar nur etwas mehr als zwei Meilen lang; in der quirligen City war an jenem Mittwochvormittag dennoch immer wieder Neues zu entdecken. Die mannshohe, kampfbereite Skulptur von Bruce Lee machte uns zusätzlich Dampf, während wir auf den letzten Kilometern durch einen verlockenden Eiswagen regelmäßig ausgebremst wurden. Ein (negativer) PCR-Test für das nahe gelegene Macau inkl. Transport und dortiger Übernachtung sowie die anschließende Rückreise nach Hongkong beschäftigten uns mit den verbliebenen Stunden, da sich die "coronabedingten" Einreisemodalitäten für beide Sonderverwaltungszonen gefühlt täglich änderten.

Durch offenbar (lauf-) göttliche Fügung bezogen wir nach aufreibender Bus- und Taxifahrt am Mittag des 05.01.2023 doch noch unser Hotel in Macau, um keine 40 Minuten später beim 1. Parque Colina Marathon zu starten.

 

 

Die Sonne brannte als wäre sie noch ganz neu und trieb uns auf kurzen Parkrunden zwischen Licht und Schatten hin und her. Wie gerne hätten wir uns im Inneren der prächtig funkelnden Gebäude ringsherum abgekühlt; trotz der Ahnung, dass sich Casinos gerne mit freundlicher Harmlosigkeit tarnen und die dort lauernden einarmigen Banditen normalerweise "keine Gefangenen" machen. Stattdessen schwitzten wir bis sich die kühlende Nacht über das "Las Vegas Asiens" legte. Beinahe 9.000 Kilometer entfernt von zu Hause hatten wir nun wirklich die lang ersehnte "300" erreicht! Zufrieden und glücklich fielen wir in`s Bett, denn schließlich wartete am nächsten Nachmittag bereits der Flieger zur ältesten Stadt der Philippinen.

Im Dahindämmern dämmerte uns: Das Schwierigste bei solch einem "Ländersammeltrip" ist nicht etwa die Beinarbeit, sondern vielmehr die kniffelige Organisation unter Beachtung der aktuellen Einreisebedingungen inklusive dem mancherorts notwendigen Geldumtausch plus Logistik, Unterkunft, Sightseeing und natürlich der Vorbereitung auf den nächsten Marathon.

Aber da wir quasi "Profis" in dem Metier an Bord hatten - mit zum Teil sehr deutlich über und knapp unter 100 "Länderzählern" - funktionierte fast alles reibungslos. Daher standen wir am 08.01.2023 auch pünktlich bei 26 ° Celsius an der Startlinie des 12. Cebu Marathon. Zwei Stunden nach Mitternacht - so früh wie noch nie! Unerwartet war, dass wir dabei von tausenden Wegbegleitern umringt wurden - und wie viele Menschen - auch Kinder - zu der Uhrzeit noch die schlaflose Metropole bevölkerten. Erstaunlich war, dass ich auf einmal als das die meisten Einheimischen überragende, exotische Fotomotiv mit Hut gehandelt wurde. 130 Minuten nach dem fulminanten Startfeuerwerk erhielten die Worte "Warmer Regen" für uns eine ganz neue Bedeutung: Das Wasser an den Verpflegungsstellen war deutlich kälter als das von oben! Die neueste Augenweide der Metropole, die im letzten Jahr fertiggestellte und nun längste (Schrägseil-) Brücke der Philippinen, zog uns mit ihren - zu Ehren des Christentums - nachts als funkelnde Kreuze umdekorierten Pfeilern magisch an.

Und entließ uns erst nach einem gefühlten Halbmarathon bei Tagesanbruch wieder vom eigentlich mautpflichtigen Schnellstraßenasphalt Richtung Ziel. Im Flughafengebäude ertönen tags darauf zum letzten Mal die uns selbst auf die Toilette verfolgenden Rhythmen von "I love Cebu" und "Pit Senyor". Von wegen "Stilles Örtchen"! Trotzdem ließen uns die Klänge lächelnd an die religiösen Feierlichkeiten in der "Königin des Südens" und unseren Irrweg durch unzählige Gläubige bei der Messe anlässlich der Feierlichkeiten für den "kleinen Jesus" zurückdenken - und schüren unbewusst die Vorfreude auf die letzte Etappe unserer kurzen Serie.

Einen Tag nach der sanften Landung empfing uns die Hauptstadt Taiwans mit einem sommerlichen Morgen jenseits der 22 ° Celsius zum 1. Yaya Park Marathon. Mit 5 weiteren TeilnehmerInnen aus 4 Nationen erfreuten wir uns am bunten Areal neben dem Tamsui-Fluss mit Basketballfeldern, Tennisanlagen, Spielplätzen, den riesigen zu unterquerenden Highway-Brücken und den Begegnungen mit den hier beheimateten - überwiegend mundnase-masketragenden - Park-nutzern. Aufmunternd grüßt uns das bambusformartige Wahrzeichen "Taipeh 101", ehemals welt-höchstes Bauwerk, zum Abschied glänzend aus naher Ferne. Ist das etwa eine Art Aufforderung, diese faszinierende Welt weiterhin laufend zu entdecken? Und nachdem Mirko mit mir in den letzten Tagen 168,80 Kilometer, damit also insgesamt 69 Marathons und Ultras überwiegend Seite an Seite verbrachte, fragen wir uns plötzlich insgeheim, welche Abenteuer wohl weitere 300 Marathons bereithalten…

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