"Zur falschen Zeit am falschen Ort - Hurrikan „Otto“ ärgert uns gewaltig"

21. San Jose Marathon

4.12.2016

Bericht von Peter Maier

Es sollte ein toller Urlaubstrip in das mittelamerikanische Land Costa Rica mit vielen faszinierende Erlebnissen in unberührter Natur werden. Dazu abschließend ein Marathonlauf in der Hauptstadt San José. So war es gebucht.
16.11.: Von Dresden über Frankfurt flogen Bärbel und ich mit Zwischenstopp in der Dominkanischen Republik weiter nach Costa Rica.
17.11.: Am Flughafen nahe San José angekommen, holte uns ein Angestellter mit dem Bus ab. Dies war sozusagen Tag 1 unserer 8 tägigen Busrundreise „Höhepunkte Costa Ricas“. Der Transfer dauerte eine gefühlte Unendlichkeit, Schuld hatte der hier völlig normale Autostau bis in die Innenstadt. Nach dem einchecken im Hotel nutzten wir das schöne Wetter bei ca. 20 Grad bis zum Abend zu einem ausgiebigen Spaziergang.

18.11.: Unser Reiseprogramm sah heute den Besuch des Vulkanes Poás im gleichnamigen Nationalpark vor. Im Zentrum befindet sich dieser 2700 m hohe noch aktive Vulkan mit seinen zwei Kraterseen, dem wir gerade noch bei gutem Wetter unsere Aufwartung machen konnten.

Darauf folgte ein Spaziergang durch den Nationalpark mit toller Fauna und Flora, z. B. honigspeisender Kolibris. Der späte Nachmittag galt dem Besuch des beeindruckenden Wasserfalls La Paz. Wir hielten auf der Rückfahrt an einer der Kaffeeplantagen an, die sich an den Flanken des Vulkanes befinden. Wir erfuhren viel über das wichtigste Exportartikel Costa Ricas.


19.11.: Wir verließen San José in Richtung Osten. Irgendwie passte unsere Reisegruppe von 13 Leuten sowie Fahrer und Guide einschl. aller Koffer in den Bus. Zum Frühstücken haltmachend an einer Raststätte, sahen wir unser erstes Faultier. Später erreichten wir die Karibikküste mit dem Nationalpark Tortuguero. Plötzlich sattelten wir einschl. unseres Gepäcks in Boote um und machten eine Bootstour durch den Fluss Parismina bis hin zum kleinen Dörfchen Tortuguero. Dort war gleich unsere neue Unterkunft in der Evergreen Lodge. Die Holzhäuschen standen auf hohen Stelzen, es sollte wohl hier im Dschungel „ab und zu“ sehr feucht sein. Und ab da war eigentlich alles gelaufen… uns war zu Ohren gekommen, dass der Hurrikan „Otto“ u. a. auch erstmalig Costa Rica heimsuchen wird. Was soll das werden? Hier wusste doch niemand so recht, wie man mit solchen Naturgewalten umgeht. Der Fluss stieg inzwischen bedrohlich an. Eingeschüchtert und Schlimmes ahnend verbrachten wir den Abend in unserer Lodge bei strömendem Regen.

20.11.: Auch den nächsten, unseren 4. Rundreisetag, war einfach nur Scheißwetter. Nur Regen, Regen, Regen, der Fluss staute immer mehr an. Trotzdem versuchten wir es mit einer Bootstour, um doch was von der vielgelobten einzigartigen Landschaft Costa Ricas zu sehen, ein Reinfall. Wenn ich der südamerikanische Nationalvogel, ein Tucan wäre, ich würde mich bei diesem Wetter einen Dreck um die um die in dem Boot gierig nach was lebendig schauenden durchnässten Touristen scheren. Schade! Später patschten wir zu der weltberühmten Schildkröteneierlegestelle hin, es war mehr Wasser als alles andere, nix zu sehen.

21.11.: Nichts wie weg hier. Wir kommen gerade noch in die Boote, das Wasser hat die Evergreen Lodge bereits erfasst. Später schnellen wir aus den Booten raus und satteln wieder in den Bus um. Weiterfahrt in Richtung Vulkan Arenal.
Ein Zwischenstopp an einer Bananenplantage und eine sehr interessante
Verkostung von einheimischen Früchten auf einem kleinen Markt waren Erlebnisse am Rande. Abends am Hotel Los Lagos nahe dem Vulkan Arenal angekommen, entspannten wir uns dann endlich in den hoteleigenen Thermalwasserbecken.


22.11.: Heute hörten wir, dass der Hurrikan an der Karibikküste tobt und dass alle Menschen aus Tortuguera evakuiert wurden, wo wir vor ein paar Stunden noch waren. Wir dagegen fuhren nun zum Fluss Penas Blankas und wurden auf zwei Schlauchboote aufgeteilt. So paddelten wir den Fluss entlang, den Geräuschen des Regenwaldes lauschend. Einen kleinen Pausensnack nahmen wir in einer einheimischen Hazienda ein. Auf dem Rückweg schauten wir uns das kleine Städtchen La Fortuna an. Nachmittags unternahmen wir vom Hotel aus eine kleine Wanderung mit Ina und Manu und konnten von weitem sehr gut den Vulkan Arenal sehen. In der Natur witterungsbedingt wenig Tiere gesehen, sahen wir uns aber zumindest ein paar „hoteleigene“ Krokodile und eine Schmetterlings- und Ameisenfarm an.

23.11.: Der letzte volle Rundreisertag sah uns weiter vor dem Hurrikan ausreißen in Richtung Nationalpark Rincon de la Vieja im Norden des Landes. Wetter wie gehabt, ‘s war es doch schon etwas langweilig. Wir vergnügten wir uns aber in einem weiteren Thermalwasserbad nahe unseres Buena Vista Lodge.

24.11.: Transfer und damit Ende der Rundfahrt. Fazit: Wir waren zur falschen Zeit am falschen Ort…Bärbel und ich hofften endlich auf gutes Wetter. Aber auch an der Pazifikküste nahe unserem neuen Hotel RIU PALACE COSTA RICA war Mistwetter, wenn es auch doch ein ganzes Stück wärmer war. Wir hatten hier unseren Strandurlaub geplant und mit einem ordentlichen Cocktail hofften wir diesen einzuläuten. Und wir gedachten der zehn Todesopfer in Costa Rica, die der Hurrikan „Otto“ verursacht hatte. 25.11. bis 01.12: Einfach nur Ausruhen! Unser Hotel: Spitze. Bedienung: liebevoll und zuvorkommend. Mahlzeiten: traumhaft, einfach nur geil. Zum Ende unseres Aufenthaltes sahen wir dann sogar noch zwei bis drei Tage die Sonne. So lange waren hier leider noch die Auswirkungen des Hurrikans zu spüren.

02.12.: Mit Wehmut reisten wir von der Pazifikküste ab und unser Transfer brachte uns zurück wieder nach San José. Auf halber Strecke hatten wir aber noch ein Rendezvous mit ein paar Papageien, wenigstens konnte ich von ihnen noch ein paar tolle Aufnahmen schießen. Wir fuhren auch auf der  Panamericana. Das ist ein System von Schnellstraßen, das – mit wenigen Lücken – Alaska mit dem Feuerland verbindet. Sie umfasst etwa 48.000 km Schnellstraße und ist in seiner längsten Nord-Süd-Verbindung etwa 25.750 km lang. Unser nächstes und letztes Hotel Barceló in der Hauptstadt hatten wir absichtlich nahe dem „Estadio Nacional de Costa Rica“ gewählt. Denn am Stadion wollte ich beim 21. San José Marathon dabei sein.

03.12.: Für mich stand heute das Auskundschaften des Marathonstartes auf dem Programm, denn der Marathon war kein großer Stadtmarathon. Vom Hotel aus überquerte ich die Panamericana und war dann auch zu Fuß nach 20 Minuten am Stadium. Nach langem Suchen fand ich die Startnummernausgabe.

Zum Glück konnte einer der Organisatoren etwas Deutsch und so wusste ich dann halbwegs über den Starttag Bescheid. Zurück zum Hotel gekommen, regnete es. Aber!!! Mir wurde gesagt, im Regen hier zu laufen wäre zehnmal besser als unter glühender Sonne…

04.12.: Marathontag: Zeitig 4:45 Uhr aufgestanden, verließ ich Bärbel und trollte mich noch im Dunkeln in Richtung Innenstadt. Die Panamericana übersprungen, war ich auch schon bald im Bereich Start am Stadium. Und wen treffe ich dort? Das ist unglaublich! Hartmann Stampfer (www.stampfer.org) aus Italien steht plötzlich vor mir. Auch ein so verrückter Exot wie ich.

 

Er lief mit mir vor vier Jahren den 1. Tirana Marathon in Albanien. Wir machten Wiedersehensfotos und danach versuchte ich meine Wechselsachen irgendwo unterzubringen. Zum Glück gelang mir das gerade noch so vor dem Start. Der Startschuss soll um 6 Uhr fallen. Es regnet. Und ich hatte meinen Plan. Es war der zweite Marathon seit meiner letzten OP und ich wollte genauso vorgehen wie in Tallin. Und genau das machte ich!
Nach dem pünktlichen Start auf der „Avenida de Las Américas“ lief ich locker die ersten 2 km. Mit uns liefen die Halbmarathonies, Läufer über 8 km und die Staffeln.
Es war ein ständiges hoch und runter oder auf und ab, nicht ganz so wie vielleicht der Stadtmarathon in Jerusalem. Ich sagte Hartmann, dass ich ihn mehrmals einholen werde, da ich nach den ein bis zweiminütigen Gehpausen jeweils wieder 2 km laufe. Da es insgesamt auch ein Rundkurs über drei Runden war, sah ich Hartmann doch sehr häufig, später natürlich immer vor mir.

San José ist nun nicht „DIE“ Stadt, aber ein paar schöne Häuser waren doch außer den großen Banken zu sehen. Die Straßen waren gut abgesperrt. Den Rand unserer Laufstrecke bildeten aufgestellte Fässer mit zwischengespanntem Absperrband. Später wurde es kreuzgefährlich, die Autofahrer nahmen keine Rücksicht mehr. Vorbei gehe ich bei km 4 an der ersten Menschenansammlung, an der gotischen Kirche „Nuestra Señora De La Merced“.

Eine weitere Sehenswürdigkeit folgt, die „Catedral Metropolitana“. Am ersten Wendepunkt bei km 5, nachdem ich schon zwei Gehpausen bei km 2 und 4 gemacht hatte, war eine für mich ganz wichtige Verpflegungsstelle, dort wenigsten sollte ich auch in Runde 2 und 3 immer Wasser und Bananen erhalten. 5 km in 28:30 min, das geht gar nicht, ich kenne mein jetziges Leistungs-vermögen ganz genau und stelle fest; die Strecke ist einfach zu kurz. Aber das ist mir dann auch wurstegal, die Strecke ist offiziell vermessen und da bin ich eben heute extrem gut drauf, oder? Ist auch gut! Hartmann kommt mir entgegen, denn nach km 5, dem Wende-punkt geht es schnurstracks zurück. Ich laufe immer wieder auf ihn auf. Die Kilometerangaben alle 5 km stimmen irgendwie nicht, aber egal, ich werde heut eh „Bestzeit“ nach meiner „Stunde 0“ laufen! Das ist gebongt! Rechts jetzt bei ca. km 7 das „Teatro National“, anschließend das „Teatro Popular Melizo Salazar“.

Das Stadium sehe ich auf der anderen Seite bei ca. km 9. Ich treffe eine deutsche Läuferin, sie hat eigentlich mein Tempo. Aber durch mein Gehpausen habe ich leider nun keine Möglichkeiten mehr, mir Laufpartnerinnen „anzulachen“, das ist doch schon sehr „traurig“. Bei Km 10 steht für mich eine traumhafte Zwischenzeit von 56:55 min (geht gar nicht), weiter geht es hoch und runter auf der „Via 104“, immer gerade aus. Jetzt rechts herum auf die „Calle Alexander Humboldt“. Vor dem „Parque de la Amistad“ laufen wir wieder rechts und damit ist das der andere Wendpunkt. Auf dem „Bulevar Ernosto Rohrmoser“ laufe/gehe ich zum Stadion zurück und jetzt ist auch die erste Runde geschafft! Hier wechseln auch die Staffelläufer.

Ja, es läuft gut, die Verpflegung passt (noch), die Strecke ist noch abgesperrt, ich kann mich nicht beklagen. Was toll ist, ich kann die Spitzen- und anderen Läufer durch die drei zu laufenden Runden immer häufig beobachten.
Km 20 ist nahe des „Parque de la Merdce“ neben der gotischen Kirche und es läuft weiter gut. Am Fass „Nr. 25“, also ca. bei Kilometer 25 ist schon der 2. Wendepunkt der 2. Runde und damit beende ich das Laufen. Was, nach zweieinhalb Stunden kann ich doch noch nicht bei der „25“ sein? Aber okay, ich nehme jetzt den Laufschritt raus und gehe ab sofort. Das macht sich prima, denn ich bin noch fit und habe schnelleres Gehen zu Hause geübt. Ich gehe nun zügig die Strecke ab, die Verpflegung ist spärlicher geworden. Ein paar freiwillige Helfer schütten die Trinkwassertüten an einer Verpflegungsstelle einfach weg, ich bin entsetzt, was sollen die Läufer hinter mir trinken? Zum Glück habe ich noch ein paar Powerriegel und Gels mit, das rettet mich vor einem Hungerast, denn es gibt derzeit nichts mehr zu essen auf der Strecke.

Es ist wärmer geworden, da der Regen auch schon seit ca. 10 km nachgelassen hatte. Die 3. Runde läuft, es geht locker, keinerlei Krämpfe wie noch in Tallin, alles cool, alles gut. Oh herrlich, am 1. Wendepunkt dieser letzten Runde gibt’s noch ein paar Bananenstückchen! Ich bin nun schon bei km 40, natürlich darf hier mein obligatorisches Foto nicht fehlen!

Und das bei einer (fast) Durchlaufschnapszahl von 4:43:44 h. Ich kann mir Zeit lassen, denn die 5 Stunden schaffe ich eh nicht und bei dem Verkehr jetzt ist Vorsicht geboten. Oh prima, da vorn sehe ich das Stadion schon…mein Gott, verdammt, wo muss ich denn nun langlaufen, linksrum, rechts rum??? Weit und breit kein anderer Läufer zu sehen. Keiner schert sich um mich. Irgendeiner da am Straßenrand deutet dann gelangweilt …da hinten rum ums Stadion, Wirklich? Na okay, ungläubig gehe ich weiter, finde die Toreinfahrt ins Stadion, geh rein… was ist das? Ein völlig menschenleeres Stadium, immerhin ist Musik zu hören. Aber so habe ich eben die 400 m Runde so ganz für mich allein. Ich warte noch auf eine mexikanische Läuferin, die plötzlich weit hinter mir erscheint, um sie vor mir ins Ziel zu lassen. Sie bedankt sich nicht, immerhin, ich war höflich. Jetzt bin ich vor dem Zielstrich. Ich mache noch ein paar Sperenzchen, laufe mal vor und mal zurück und weide mich an diesem Augenblick des Zieleinlaufes und über den erlaufenen/ergangenen 67. Länderpunkt meiner Marathonstatistik.

Und…nein. das gibt’s nicht. Bärbel ist plötzlich auch auf einer Sitzbank hinter dem Zieleinlauf, Das war nicht geplant. Aber umso mehr freue ich mich, dass Sie mich so im Ziel empfangen konnte, so erfolgreich. In 5:06:30 habe ich gefinished. Ja okay, die Streckenlänge stimmt nicht so recht, aber das ist mir nun „Wurst“. Ich bin happy, diesen Lauf erfolgreich überstanden zu haben und umso mehr nach dem Genuss von extra von Bärbel für mich „eingeflogenem“ Zieleinlauf-BIER!

Es gab auch eine Medaille von einem Engelchen, die sonst auf der Strecke diesmal wie auch die Zuschauer sehr spärlich waren. Am Ende waren die Staffeln, 451 Halbmara-thonies und 253 Marathon-läufer im Stadium eingelaufen, ich als 229ster und 13ter von den 13 Läufern in meiner AK. Mit meiner gesundheitlichen Vorgeschichte fühle ich mich jedoch als Sieger! Auf dem Rückweg zum Hotel sehen wir gerade die letzten zwei Marathonläufer, die von zwei Autos eskortiert werden, denn ohne die hätten sie sich ganz schwer durch den Straßenverkehr durchschlängeln können. Wenigstens la „Pura Vida“ (das „wahre Leben“) außerhalb der Marathonveranstaltung flackerte bei den jungen Kostümierten Costa- Ricanern auf der Straße auf.

05.12.: Einen Tag nach dem Marathon ist dann schon unser Transfer und der Abflug über die gleiche Route wie hinzu. Adiós, Costa Rica…

5 km: 28:30 min 28:30 min
10 km: 28:25 min 56:55 min
15 km: 31:00 min 1:27:55 h
20 km: 31:01 min 1:58:56 h
25 km: 31:11 min 2:30:07 h
30 km: 45:02 min 3:15:09 h
35 km: 43:57 min 3:59:06 h
40 km: 44:38 min 4:43:44 h
Ziel: 22:46 min 5:06:30 h

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