"Roman ist stolz und freut sich"

1. Roman Karczewski Gedenklauf

20.08.2017

Bericht von Zenon Karczewski

20.08.2017 1. Roman Karczewski Gedenklauf Um 8:40 Uhr komme ich zum Start auf dem Parkplatz in der Dresdner Heide. Jens, Mirko und Christian sind schon da. Kurz nach mir kommt Steffen. Ich freue mich, dass auch er so kurzfristig die Zeit gefunden hat. Als letzter aber auch pünktlich, genau um 8:45 Uhr, kommt Gerald. Damit sind wir alle da. Auch Nicole und Bernd wären heute dabei, wenn die Entfernung zwischen Bodensee und Dresden nicht so gross bzw. der Urlaub nicht dazwischen gekommen wäre. Ich verteile die T-Shirts und pünktlich um 9.00 Uhr stehen wir auf der Startlinie, die mit 1. RKGL (1. Roman Karczewski Gedenklauf) markiert ist (Foto).

"Schön, dass ihr da sind" - sage ich in meiner kurzen Ansprache - "Roman ist stolz und freut sich, dass seine Dresdner Trolle diesen Lauf zu seinem Gedenken austragen“. Das Wetter ist perfekt, es ist sonnig bis leicht bedeckt, die Temperatur liegt bei ca. 20 Grad. Es herrscht ausgelassene, fröhliche Stimmung.

Wir laufen „gemütlich“ los und wollen auf der ersten von den 4 Runden a 10,85 km zusammen bleiben. Ich kenne die Strecke (fast) inn- und auswendig. Jahrelang - als ich noch mit meiner Familie im Stadtzentrum gewohnt habe - war es meine Trainingsstrecke, die ich mehrmals in der Woche gelaufen bin. Ich laufe aber nicht vorne weg, sondern lasse die Anderen meine gestern aufgebrachte Markierung testen. Ich war gestern ca. 1,5 Stunden mit dem Fahrrad unterwegs und habe mit Sägemehl jede Verzweigung und Kreuzung markiert. Unglaublich, wieviele es davon gab. Schon nach 50 Metern kommt der erste kleine „Berg“ (Foto). Danach laufen wir lange im flachen Gelände, praktisch zu 100% auf schattigen Waldwegen. Wir bleiben in der Gruppe und unterhalten uns die ganze Zeit. Ich erzähle Steffen, dass ich vor 2 Tagen den Dresdner-Nachtlauf (13,8 km) gelaufen bin und mir dabei die rechte Wade dermassen verletzt habe, dass ich gestern den ganzen Tag Schmerzen hatte und nicht einmal gehen konnte. Gestern Abend fiel mir ein, ich müsste ja noch irgendwo diese Kinesiology-Tapes haben..

Sie werden sicherlich nicht schaden und vielleicht sogar helfen - sagte ich mir - und klebte 2 Streifen auf die schmerzende Stelle. Und heute - wie durch ein Wunder- kann ich laufen und empfinde bis jetzt überhaupt keine Schmerzen. Ich will solange laufen, wie es geht, glaube zu diesem Zeitpunkt aber nicht, dass es für mehr als eine, höchstens 2 Runden reichen wird. Steffen (im Foto rechts neben Mirko) empfiehlt mir die Anwendung der sog. BlackRoll. „Lauf im Training bis die Schmerzen kommen, dann gehe den Rest der Strecke und zu Hause angekommen, massiere die Wade mit der BlackRoll - das wir helfen“. Nach ca. 3 Kilometern überqueren wir zum ersten Mal die Radeburger Strasse (die einzigen Asphalt-Meter), danach wird es landschaftlich besonders schön, auch wenn der Boden recht sandig ist. Nach 4,5 Kilometern passieren wir den „Saugarten“, kurz danach, bei Kilometer 5 erreichen wir die erste Verpflegungstelle (Foto). Zum Trinken gibt es Cola, Wasser und Fanta und zum Essen Bananen, Äpfel, Schokolade, Müsliriegel und Rosinen.

Wir lassen uns viel Zeit. Es gibt kein Zeitlimit heute. Und auch wenn die Pausen noch so lang und das Tempo noch so langsam ist -" Daylight-Finisher“ werden wir heute garantiert alle werden. Nicht desto trotz - Christian , der nicht umsonst „Speedy-Troll“ genannt wird und auch „Gast-Troll“ Jens laufen ab der Verpflegungsstelle etwas schneller und bilden die erste, schnellere Gruppe. Steffen, Mirko, Gerald und ich - wir laufen langsamer und sind die "Verfolger". Kurz nach der zweiten Strassenüberquerung geht es 90 Grad nach links. Trotz eines dicken nach links abbiegenden Sägemehl-Pfeils (Foto) laufen meine Begleiter - im Gespräch vertieft - unbeirrt geradeaus. An dieser Stelle werde ich beim nächsten Mal ein Absperrband anbringen müssen.

2 Kilometer lang laufen wir danach nur geradeaus Richtung Bühlau. "Hier kann man sich nicht verlaufen" - sage ich zu meinen Begleitern. Nach 7 Kilometern kommen wir in Bühlau an, biegen 90 Grad nach rechts ab und laufen die folgenden 2 Kilometer am Mordgrundwasser entlang. Ein landschaflich sehr schöner Abschnitt, an dem man viele Höhenmeter "einbauen" könnte, indem man immer wieder die Treppen hinab in den Grund und dann wieder hinauf auf den "Höhenweg" laufen würde. Wir bleiben aber heute auf dem flachen "Höhenweg".

Bei Kilometer 9 kommt der steilste und längste Anstieg zum Wolfshügel. Danach sind es nur noch ca. 1,5 Kilometer und die erste Runde ist geschafft. Steffen, Christian und Jens warten an der Verpflegungs-stelle, die sich im Kofferraum von Christian's Auto befindet. Wir essen und trinken wieder reichlich. Bevor es weiter geht, verabschieden wir Steffen, der zu einer Familienfeier muss. Er wollte es sich trotzdem nicht nehmen lassen, am Gedenklauf für Roman, den er gut kannte und dem er oft Trainigshinweise gab, teilzunehmen. Er war auch neben Christian einer der Ersten, der Roman 2010 nach dem Dresden-Marathon zu seiner neuen Bestzeit von 3:05 gratuliert hat. "Bald wirst Du unter 3 Stunden laufen" - sagte er damals zu ihm. Auch ich war davon überzeugt.

 

Roman freute sich immer über solche anerkennenden Worte. Er hat es leider nicht mehr geschafft. Am 14.6.2012 endete sein Leben nach nur 29 Jahren. Die Finisher-Medaille vom Dresden-Marathon 2010 haben wir in seinen Grabstein einarbeiten lassen.

Wir starten auf die zweite Runde. Christian und Jens laufen wieder schneller und enfernen sich schnell von der zweiten Gruppe, die aus Mirko, Gerald und mir besteht. Wir unterhalten uns über Marathonlaufen, Ultraläufe, 100-Meilen- und 24-Stundenläufe aber auch andere Themen wie: Haus bauen, Wohnung renovieren, ... und, und und. An den beiden nächsten Verpflegungs-punkten treffen wir Christian und Jens nicht mehr. "1 Stunde sind sie vor euch" ruft uns am Anfang der dritten Runde eine Zuschauerin zu- aus einer begeisterten Gruppe heraus, die für uns die "La Ola-Welle" macht. Es ist meine Frau, begleitet von meiner jüngeren Tochter Anna und unseren 3 Enkelkindern (Foto). Wenn es eine Stunde ist, dann müssten sie uns ja bald überrunden - sage ich zu meinen Begleitern. "Auch wo" - meint Mirko - "so schnell wird das nicht passieren".

Und doch. Als wir uns an der Verpflegungsstelle bei Kilometer 25 wieder viel Zeit lassen, kommen plötzlich Jens und Christian. Für sie wird bald der Lauf zu Ende sein, während wir noch 18 Kilometer vor uns haben. Mit "wir" meine ich Mirko und mich, denn bei Gerald steht fest, dass er es heute bei den 10,85x3 km belässt.

Er ist nicht so gut trainiert und wollte eigentlich nur 10 km laufen. Nun hat er sich "breitschlagen" lassen noch eine und dann noch eine Runde zu laufen aber jetzt ist er "platt" und will endgültig aufhören. Christian läuft von der Verpflegungsstelle schnell los, Gerald (im Foto rechts mit Mirko) und ich folgen ihm, während Mirko und Jens das Feld von hinten "absichern" und bald nicht mehr zu sehen sein werden. "Du wirst heute der Sieger sein" - sage ich zu Christian ca. 3 Kilometer vor dem Ziel. "Eigentlich müsste es Jens sein" - meint er - "er hat mich vorhin die ganze Zeit "gezogen". Plötzlich auf einem geraden und flachen aber etwas steinigem Abschnitt , stolpert Christian, stürzt und schlägt mit der Stirn auf einen spitzen Stein auf. Er schreit auf und windet sich vor Schmerzen, während Gerald und ich ganz erschrocken versuchen ihm zu helfen. Nach einer Weile kann Christian zum Glück wieder aufstehen.

Seine Wunde (Foto) wird notdürtig versorgt und wir können weiter laufen. Nach etwas mehr als 5 Stunden überquert er als Sieger des 1. Roman Karczewski Gedenklauf die Ziellinie und nimmt einer der schönen, von Mirko organisierten Medaillen, in Empfang. Wir machen Fotos, stärken uns an der Verpflegungsstelle und warten auf Jens und Mirko. Als sie dann kommen, mache ich weitere Fotos und küre Jens zum zweiten Sieger. Mirko und ich - wir verabschieden uns von den 3 Trollen, für die der Lauf beendet ist und begeben uns gemütlich auf unsere letzte Runde. Wir sind beide noch frisch und fit. Ich fühle mich sehr gut und auch meine getapte Wade macht keine Probleme. Wir unterhalten uns jetzt viel über den SüdthürigenTrail - einen Lauf, der Mirko und seine Frau Tina organisieren und der schon in 3 Wochen statt finden wird. Christian und ich werden dabei sein und den 47,5 km langen "Riesentrail" in Angriff nehmen. Es gibt noch den Wichteltrail (17,4 km) und den Heldentrail (64,9) km.

Mirko (Foto) erzählt, was so alles zur einer professionellen Vorbereitung eines Laufes gehört und wieviel Zeit man dafür aufwenden muss. Nach der letzten Verpflegungspause laufen wir wieder das 2-Kilometer-lange Geradeausstück. Plötzlich - das musst etwa an derselben Stelle gewesen sein, wo ich noch auf der ersten Runde behauptet habe, dass man sich hier nicht verlaufen kann - sehe ich auf der linken Seite einen Zaun, der mir bis jetzt nie aufgefallen ist und sage zu Mirko: "Wir müssen uns verlaufen haben". Wir laufen einige Hundert Meter zurück und finden den letzten Pfeil aus Sägemehl, der genau in die entgegengesetzte Richtung zeigt. Wir sind also doch richtig gelaufen. Unglaublich für mich der - zugegebenermassen ist das schon einige Jahre her - diese Strecke einige Hundert Mal gelaufen ist. Wir laufen zurück und finden nach einer Weile wieder eine Markierung. Alles ist wieder in Ordnung. Ich zeige noch Mirko die Stelle, wo vorhin Christian gestürtzt ist und dann sind wir schon fast im Ziel. Ich laufe vor und drehe ein Video von Mirko's Zieleinlauf. Dann laufe ich zurück und Mirko macht dasselbe für mich. Wir hängen uns gegenseitig die Medaillen um den Hals und überreichen uns die Urkunden.

Es gibt heute 2 dritte Plätze und damit haben alle 4 Finisher des 43,4 Kilometer langen Trails einen Podestplatz. Von einem Passanten lassen wir uns noch fotografieren (Foto). Danach ist der schöne Lauf - übrigens mein 90. Marathon bzw. Ultralauf - zu Ende. Danke an alle Freunde, die mitgemacht haben. In 3 Wochen sehen wir uns wieder in Suhl.

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